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Kerzen ziehen in der Adventszeit

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Eine bessere Entschleunigung gibt es nicht!

Wenn der Herbst die allerletzten Blätter von den Bäumen gefegt hat, wird es im Haus um so muckeliger. In der ersten oder zweiten Dezemberwoche duftet es bei uns an einigen Tagen nach Bienenwachs, denn jedes Jahr im Advent ziehe ich mit den Kindern Kerzen. Kennengelernt habe ich dies auf einem Martinsmarktfest an der Waldorfschule.

Mich hat die heimelige und beruhigende Atmosphäre sofort eingehüllt und begeistert und so zog dieser Brauch in unseren Kindergarten ein. Beim Kerzen ziehen tauchen die Kinder auch ein bisschen wie in eine andere Welt ein, denn ich gestalte den etwas abgedunkelten Raum vorab mit einer Zwergenlandschaft in der Mitte, um die sie mit ihrer frisch getauchten Kerze herum laufen. Aber dazu gleich unten mehr.

Kerzen ziehen in der Adventszeit • Adventszeit

Wachstopf vorbereiten

Hierfür schmelze ich in einem nur für diese Zwecke verwendeten hohen schmalen Spargeltopf Bienenwachspellets, die ich auf dem Weihnachtsmarkt an einem Kerzenstand bekommen habe. Online kannst du sie auch gut bestellen!

Wachs braucht einfach seine Zeit!

Auf kleiner Flamme kann es  1 1/2 bis zu 2 (!) Stunden dauern, bis das ganze Wachs in einem hohen Spargeltopf vollständig geschmolzen ist! Also besser schon zu Hause den Topf vorbereiten, wenn du früh morgens im Kindergarten damit beginnen möchtest und warm mitnehmen.

Ich packe den Topf für diesen Transportweg in einen Eimer, den ich mit dickem Stoff ausgepolstert habe – dieser hält die Wärme und gibt Halt, wenn der Wachstopf mit Deckel (!) von A nach B gefahren wird. Unbedingt anschnallen! Der Topf steht dann im Kindergarten auf einem kleinen E-Platten-Kocher auf dem Boden. Hitze- und Tropfschutz bietet darunter ein Backblech, das ich mit Backpapier belegt habe, da die Kerzen beim Rausziehen schon mal tropfen können.  Den Boden solltest du auch schützen. Ich habe die Teppiche für diese Aktion einfach umgedreht – ging prima!

Passender Docht

Neben mir steht ein kleiner Tisch mit vorbereiteten Dochten von 18 – 19 cm Länge, die ich an einer Seite oben einmal knote. Das ist die Seite, an der die Kinder ihre Kerze anfassen.

Der Knoten lässt sich einfach besser halten, so dass ihnen die Kerze nicht beim Tauchen plötzlich in den Topf plumpst!

Dies passiert natürlich auch und manchmal lässt sich die Kerze auch noch mit einem Stock heraus fischen, aber oft ist sie dann schon ganz schön dünn, oder einfach futsch. 

Gut vorbereitete Dochte sparen dir Zeit während der Anfangsphase

Wenn du die Dochte zuschneidest, kringeln sie sich oft, sind also selten gerade. Am besten bereitest du schon einige Dochte vor, indem du sie einmal in das heiße Wachs tauchst und sie mit zwei Fingern glatt ziehst – Vorsicht heiß!!! Wachsreste an den Fingern fallen ab, indem du deine Finger gegeneinander reibst. Die Klebeetiketten solltest du dann mit Namen beschriftet am besten unterhalb des Knotens einmal um den Docht legen und zukleben. So halten sie einfach besser und werden von so machen „Knibbelkindern“ nicht so leicht abgefummelt.

Griffbereit in deiner Nähe solltest du Folgendes haben

Sorge gut für dich!

Schaffe dir ein gemütliches Plätzchen, wo griffbereit eine Flasche Wasser oder ein Thermobecher Apfelpunsch steht, oder deine Kolleginnen dir mal einen heißen Kaffee hinstellen können! Du sitzt nämlich seeeehr sehr lange auf deinem Stuhl, der unbedingt bequem für dich sein sollte! Für einen Durchgang plane ich an drei aufeinander folgenden Tagen immer 2-3 Stunden täglich ein. So haben auch die jüngeren und ungeduldigen Kinder die Möglichkeit, eine Kerze fertig zu bekommen. Ach es ist immer wieder erstaunlich, wie sich das Temperament eines Kindes beim Kerzen ziehen wiederspiegelt!

Der Zwergentisch

In unmittelbarer Nähe vom Wachstopf bereite ich einen Tisch vor, auf dem eine Zwergenwelt entsteht. Mit Tüchern, Moos, Wurzeln und Rindenstücken gestalte ich eine Landschaft – mal mit Hügeln und Bergen oder kleinen Höhlen. Zwischen Lichterketten und Edelsteinen tummeln sich dann Zwerge, Kastanienkind, Eichelkind und auch ein kleiner Troll aus Holz.

Nachdem die Kinder ihre Kerze in das heiße Wachs getaucht haben, gehen sie langsam um diesen Tisch herum, verweilen ein bisschen, schauen hier und dort, entdecken Zwerge, funkelnde Edelsteine und Kerzenschein…bis sie wieder an der Reihe sind und ihre Kerze erneut eintauchen. Das Wachs braucht nämlich ein bisschen Zeit, um auszukühlen und fest zu werden. Der Rundgang um den Zwergentisch hilft diese Zeit zu überbrücken.

Vor dem Kerzen ziehen habe ich den Kindern im Morgenkreis erzählt, dass ich heute nicht alleine gekommen bin, sondern alle Zwerge, die in meinem Garten wohnen unbedingt mitkommen wollten! Schon da wurden die Kinderaugen und -Ohren groß, denn unsere Zwergenzeit im Kindergarten ist noch nicht lange her und die Kinder freuen sich jedes Jahr, wenn sich eine bunte Mischung aus kleinen und großen Zwergen wieder in der Mitte tummeln, im Moos kuscheln, sich im „Eissee“ spiegeln oder auf hohe Berge klettern und ihnen fröhlich zusehen, wie ihre Kerzen Runde um Runde langsam wachsen.

Kerzen ziehen macht wohlig zufrieden

Zu Beginn startet jedes Kind mit dem „Kerzenbaby“, einem dünnen Docht mit nur einer Wachsschicht. Nach wenigen Runden wird aus dem „Kerzen-Baby“ dann ein „Kerzen-Kindergartenkind“ und wenn die Kerze so dick wie ihr Daumen ist, werden daraus „Kerzen-Schulkinder“. Schaffen die Kinder noch mehr Tauch-Runden, kommt es schon mal vor, dass auch eine „Kerzen-Oma“ oder ein „Kerzen-Opa“ an der Leine hängt!

Manche Kinder haben viel Geduld und schaffen bis zu zehn oder sogar zwanzig Runden. Die jüngeren von ihnen machen nach ein paar Runden schon Pause. Ihre Kerzen hänge ich beschriftet am Docht mit einem kleinen Klebezettel an eine Leine. So können sie etwas später oder am nächsten Tag einfach weiterziehen und schaffen an drei Tagen auch eine Kerze, die mit nach Hause genommen werden kann.

Ganz dünne Kerzen bewahre ich auf bis zum nächsten Jahr. Dann sehen die Kinder – inzwischen ein Jahr älter und mehr Ausdauer im Gepäck – ihre kleine Kerze wieder und können diese weiter ziehen. Auf diese Weise schaffe ich eine Anknüpfung an sich wiederkehrende Rituale und Bräuche, die die Kinder in der Regel über drei Jahre immer wieder erleben.

Aus Sicherheitsgründen sitze ich die ganze Zeit neben dem Topf, helfe, wenn nötig der kleinen Hand, wenn sie ihre Kerze (angefasst mit Daumen und Zeigefinger am Dochtknoten) zügig und genau mittig in das heiße Wachs taucht. Währenddessen spiele ich eine Playlist mit ruhiger Weihnachtsmusik, gerne auch mit Harfenklängen – sie ist einfach perfekt und unterstützt die vorweihnachtliche Atmosphäre!

Wichtig zu wissen

Die Kinder sollten die Kerze übrigens nicht zu lange im Wachsbad hängen lassen, da sich die letzte Schicht sonst wieder löst! Einige denken, das würde schneller gehen, aber das Gegenteil ist der Fall: Die Kerze wird dünner.

Wachsnasen wachsen

Nachdem ein Kind mit seiner Kerze ein paar Runden gelaufen ist, schneide ich mit einem Messer den unteren Teil der Kerze ab, da sich hier eine „Wachsnase“ bildet, in der kein Docht ist. Diese „Nasen“ sorgen immer für ein Schmunzeln im Gesicht der Kinder! Den Stummel gebe ich (oder das Kind) zurück in den Wachstopf. Manche Kinder möchten ihre warmen Wachsnasen auch behalten und kleben sie als „Einhorn“ auf die Stirn! Das sorgt natürlich für so manchen Lacher! 

Kerzen ziehen in der Adventszeit • Adventszeit

Wachs-Nase

Wachs nachfüllen

Nach einigen Kerzenziehrunden wirst du merken, dass der Wachspegel im Topf zunehmend sinkt.

Dann einfach neue Wachspellets einrieseln lassen. Sorge dafür, dass du sie direkt über der Oberfläche ins flüssige Wachs gibst, sonst spritzt es und Wachsspritzer sind heiß!

Du kannst die Pellets z.B. hier bestellen oder direkt bei einigen Imkern kaufen. 

Hier auf dem Weihnachtsmarkt in Oldenburg steht im Dezember oft ein Kerzenhändler, von dem ich die Pellets beziehe. Denke einfach daran, dich rechtzeitig um alles zu kümmern. Denn wie beim Ziehen braucht die Vorbereitung auch seine Zeit.

Weihnachtsgeschenke für die Eltern

Sobald die Kerzen ganz abgekühlt sind, kann man sie in Butterbrotpapier einrollen und auch gut zu Weihnachten verschenken! Die selbstgezogenen Kerzen werden von den Kindern gerne als Geschenke vorbereitet und hübsch eingepackt liegen sie dann am 24. Dezember unterm Weihnachtsbaum!

In dieser Tätigkeit steckt soooo viel!

Nun wünsche ich dir viel Freude bei dieser besinnlichen und duftenden Tätigkeit und wenn du noch Fragen dazu hat, melde dich gerne bei mir!

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