Zunderschwamm – der stille Star am Baum

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Warum dieser unscheinbare Pilz Kinder begeistert

Manchmal liegen die spannendsten Entdeckungen direkt am Wegesrand. Während Kinder voller Begeisterung auf Marienkäfer, Regenwürmer oder besonders große Stöcke zeigen („Den nehme ich mit!“), gehen Erwachsene oft an Dingen vorbei, die auf den ersten Blick eher unscheinbar wirken. Der Zunderschwamm gehört genau in diese Kategorie.

Er sitzt still an Bäumen, bewegt sich kein bisschen und macht keine Geräusche. Kurz gesagt: Er ist das genaue Gegenteil eines aufgeregten Kindergartenkindes auf der Suche nach Neuem. Und genau deshalb wird er oft übersehen.

Dabei steckt in diesem Pilz eine erstaunliche Geschichte. Denn der Zunderschwamm ist nicht einfach irgendein Pilz, sondern ein echtes Naturwunder mit spannender Vergangenheit, vielen Einsatzmöglichkeiten und jeder Menge Entdeckerpotenzial für Kinder.

Was ist ein Zunderschwamm überhaupt?

Der Zunderschwamm ist ein Pilz, der hauptsächlich an Laubbäumen wächst – besonders gern an Birken und Buchen. Er sieht aus wie ein grauer oder brauner Huf, der seitlich aus dem Baum herauswächst. Manche Kinder finden, dass er aussieht wie ein Pferdehuf, andere sehen eine Schildkröte, ein Ohr oder einen riesigen Pfannkuchen aus Stein. Fantasie ist ausdrücklich erlaubt.

Er wächst oft viele Jahre lang und kann dabei ziemlich groß werden. Seine Oberfläche fühlt sich hart an und ist meist in verschiedenen Schichten aufgebaut. Wenn Du ihn einmal genauer anschaust, entdeckst Du oft graue, braune und manchmal fast silberne Farbtöne.

Und jetzt kommt der Moment, an dem viele Kinder plötzlich große Augen bekommen:

Dieser Pilz wurde früher tatsächlich zum Feuermachen benutzt.

Ja, wirklich!

Menschen haben aus seinem Inneren sogenannten Zunder hergestellt – ein Material, das Funken auffangen und glimmen kann. Ohne Feuerzeug. Ohne Streichhölzer. Ohne „Kannst du mal kurz den Grillanzünder holen?“

Plötzlich wird aus einem stillen Pilz ein kleiner Star der Steinzeitgeschichte.

Ein Pilz mit Steinzeit-Vergangenheit

Vor Tausenden Jahren war Feuer überlebenswichtig. Menschen mussten Wärme erzeugen, Essen kochen und Licht schaffen. Und dafür brauchten sie etwas, das Funken zuverlässig auffängt.

Der Zunderschwamm war dafür perfekt geeignet.

Sogar bei der berühmten Gletschermumie „Ötzi“ fand man Reste von Zunderschwamm. Stell Dir das einmal vor: Dieser Pilz war schon unterwegs, als es weder Smartphones noch Autos noch Schokolade mit Keksstückchen gab.

Kinder lieben solche Zeitreisen. Wenn Du erzählst:

„Menschen hatten früher keinen Herd. Kein Feuerzeug. Kein Lichtschalter. Sie mussten Feuer selbst machen.“

…dann entsteht oft sofort Kopfkino.

Und plötzlich wirkt ein Stück Pilz am Baum viel aufregender.

Zunderschwamm – der stille Star am Baum • Entdecken und Forschen

Vom Waldpilz zum Feuerstarter. So ging echte Steinzeit-Technik

Jetzt wird es richtig spannend: Der Zunderschwamm konnte nämlich nicht einfach frisch vom Baum genommen und angezündet werden. Das wäre viel zu einfach gewesen.

Die Menschen früher mussten ihn erst bearbeiten. Im Inneren des Pilzes befindet sich eine weiche Schicht – sie wird oft als Zundermaterial bezeichnet. Diese Schicht wurde herausgeschnitten, geklopft, weich gemacht und weiter verarbeitet.

Und jetzt kommt eine Information, bei der Kinder meistens laut lachen:

Teilweise wurde der Pilz früher tatsächlich in bestimmte Flüssigkeiten eingeweicht – unter anderem auch in Urin oder in Asche-Laugen. Klingt heute etwas ungewöhnlich. Damals war das jedoch praktisch: Im Urin steckt Ammoniak, und dadurch ließ sich das Material besser bearbeiten und leichter entzünden.

Wenn Kinder darauf reagieren mit: „Iiiih, wie eklig!“, kannst Du sagen:

„Früher gab es eben keinen Baumarkt, kein Feuerzeug und keinen Bastelladen.“

Nach dem Einweichen und Trocknen wurde das Material weichgeklopft. Das Ergebnis war eine filzartige Schicht, die Funken auffangen konnte. Traf ein Funke vom Feuerstein darauf, begann sie langsam zu glimmen – und daraus konnte man schließlich Feuer machen.

Menschen trugen also früher manchmal tatsächlich ihre „Feuerhilfe“ mit sich herum – eine Art urzeitliches Feuerzeug für die Hosentasche.

Aus Pilzen Kleidung machen? Tatsächlich!

Der Zunderschwamm konnte noch mehr. Aus dem bearbeiteten Material entstand eine Art Pilzfilz. Dieses Material wurde erstaunlich weich und flexibel.

Daraus wurden früher zum Beispiel hergestellt:

  • Hüte
  • Kleine Taschen
  • Beutel
  • Gürtel
  • Dekorative Dinge

Ja, richtig gelesen: Menschen haben tatsächlich eine Art Filzstoff aus einem Pilz hergestellt.

Wenn Kinder darüber nachdenken, kommen oft lustige Reaktionen: „Ein Pilzhut aus einem Pilz?“

Eigentlich ist das gar nicht so verrückt. Schließlich tragen wir heute Kleidung aus Baumwolle, Schafwolle oder Pflanzenfasern. Die Menschen früher waren oft erstaunlich kreativ.

Warum Kinder den Zunderschwamm lieben

Kinder brauchen nicht immer blinkende oder laute Dinge, um begeistert zu sein. Oft reicht ein kleines Geheimnis.

Und der Zunderschwamm bringt gleich mehrere mit:

Er sieht ungewöhnlich aus.
Er wächst direkt am Baum.
Er ist uralt.
Menschen haben ihn früher benutzt.
Er klingt geheimnisvoll.

Allein der Name sorgt häufig für Reaktionen:

„Zunderschwamm? Klingt wie ein Zauberwesen!“

Oder:

„Hat der etwas mit Zündeln zu tun?“

Solche Fragen sind wunderbar, denn genau daraus entstehen Gespräche und kleine Lernmomente.

Kinder merken schnell: Natur besteht nicht nur aus Blumen und Schmetterlingen. Auch Pilze können faszinierend sein.

Zunderschwamm-Werkstatt im Kindergarten

Alter: Ab ca. 5 Jahren
Ort: Draußen oder am Forschertisch
Dauer: Etwa 30–45 Minuten

 1. Entdecken und fühlen
Wenn Ihr einen bereits abgefallenen oder gesammelten Zunderschwamm habt:

Anschauen: Wie sieht er aus?
Riechen: Riecht er nach etwas?
Fühlen: hart, weich, rau?
Klopfen: Klingt er eher wie Holz oder eher dumpf?

Fragen dazu:

„Woran erinnert Dich die Form?“
„Ist das eher Stein, Holz oder etwas ganz anderes?“
„Warum wächst so etwas an einem Baum?“

Kinder lieben es, wenn sie zunächst rätseln dürfen.

2. Die „Steinzeit-Handwerker“-Station

Du kannst zeigen, wie Menschen früher das Innere bearbeitet haben – ohne historische Spezialmethoden:

Ein kleines Stück des weichen Inneren (wenn vorhanden) vorsichtig herauslösen
Mit einem Holzhammer, Nudelholz oder einem runden Stein sanft klopfen
Beobachten: Wird es weicher? Verändert es sich?

Dazu könntest Du sagen:

„Früher haben Menschen oft sehr lange geklopft und gearbeitet, bis daraus etwas Filzähnliches wurde.“

Die Kinder merken dabei schnell: Früher bedeutete „selber machen“ oft viel Geduld.

3. Feuer – aber nur als Geschichte

Statt echtes Feuer herzustellen:

Lege aus:

Feuerstein-Bilder
kleine Stöcke
Zunderschwamm
Naturmaterialien

Dann die Frage:

„Wie hätten Menschen früher ohne Feuerzeug ein Feuer gemacht?“

Die Ideen der Kinder sind oft großartig:

„Mit Blitz!“
„Zwei Steine gegeneinander!“
„Mit Drachenfeuer!“

4. Kreative Erweiterung

Anschließend könnten die Kinder:

Einen Zunderschwamm malen
Einen Fantasienamen erfinden
Eine Geschichte schreiben oder erzählen:

„Wenn dieser Pilz sprechen könnte – was würde er erzählen?“

Kind ritzt Pilzunterseite ein

Neugierde ist der beste Lernmotor!

Frische Zunderschwämme sind oft ziemlich hart. Nicht jeder lässt sich einfach bearbeiten. Deshalb würde ich ihn eher als Forscherobjekt mit Entdeckercharakter sehen und weniger als klassisches Bastelmaterial. Gerade das macht ihn spannend: Die Kinder begegnen etwas, das nicht sofort „benutzt“ werden will, sondern erst neugierig macht.

Ein stiller Star am Baum

Der Zunderschwamm gehört zu diesen Dingen, die leicht übersehen werden. Vielleicht, weil er nicht bunt ist. Vielleicht, weil er still an seinem Platz sitzt und keinen großen Auftritt macht. Aber manchmal sind genau diese stillen Dinge die spannendsten.

Denn plötzlich wird aus einem grauen Pilz eine Geschichte über Steinzeitmenschen, Feuer, Entdecker und Fantasie.

Und vielleicht schaut ein Kind beim nächsten Spaziergang aufgeregt nach oben und ruft: „Da! Da ist einer! Ein Zunderschwamm!“ Dann weißt Du: Der Pilz hat seinen Zauber entfaltet. Und ganz nebenbei hast Du etwas Schönes vermittelt: Dass Abenteuer nicht immer laut anfangen. Manchmal wachsen sie einfach an einem Baum.

Mushroom

Amulette aus Birkenporlingen

Diese Pilze sind für Kinder völlig unbedenklich und laden zum Forschen und Basteln ein!

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