Zwischen Zaubernuss und Wollfäden - der Garten wird zur Nestwerkstatt
Noch vor ein paar Tagen hing meine Futtersäule wie ein Relikt aus klirrekalten Ostwindzeiten im Garten. Verregnet, mit abgepickten Knödelresten, baumelt sie nun in der bereits blühenden Zaubernuss. Über 10 Grad bringt der Südwind mit – endlich taut es! Der Winter zieht sich zurück, und plötzlich fühlt sich alles nach Aufbruch an.
Während ich meine Nistkästen gereinigt habe, staunte ich wieder über das, was sich dort angesammelt hatte: Moos, Federn, Pferdehaare – kleine Matratzen aus Naturmaterialien. So weich, so sorgfältig geschichtet! Da wurde mir klar: Die Futterzeit geht zu Ende – aber die Bauzeit beginnt!
Vom Futtern zum Bauen – was Nistkastenbrüter jetzt brauchen
Vögel wie Meisen, die in unseren Nistkästen brüten, beginnen oft schon sehr früh im Jahr mit der Revierbildung und Vorbereitung auf die Brutzeit. Besonders die Kohl- und Blaumeisen sind echte Frühstarter. Sobald die Temperaturen milder werden, sammeln sie eifrig Material für ihre Kinderstube.
In der Natur finden sie Moos, Tierhaare, Pflanzenfasern oder Federn. Doch gerade in aufgeräumten Gärten wird das Materialangebot immer knapper. Warum also nicht helfen – passend zur Jahreszeit?
Die Idee: Die Futtersäule wird zur „Nistmaterial-Bar“
Statt die winterliche Futtersäule einfach abzuhängen, habe ich sie neu befüllt: mit gezupfter, naturbelassener Schafwolle aus meinem Vorrat. Schicht für Schicht kam die weiche Wolle ins Silo. Nun können sich die Meisen bequem bedienen – wie an einer kleinen Baustoff-Tankstelle.
Und ich bin schon jetzt gespannt: In welchem Nistkasten werde ich im kommenden Februar beim Reinigen ein buntes Nest entdecken?
Warum Schafwolle so wertvoll ist
- Sie ist temperaturausgleichend – wärmt bei Kälte und isoliert bei Feuchtigkeit
- Sie ist weich und elastisch
- Sie speichert keine Nässe
- Sie ist komplett biologisch abbaubar
Schafwolle bekommst du direkt bei Schäfereien, auf Wochenmärkten, in Hofläden oder im Fachhandel für Wollprodukte. Auch Reste vom Spinnen oder Kardieren sind wunderbar geeignet.
Eine tolle Idee für Kindergartenkinder
Diese Jahreszeit eignet sich wunderbar, um mit Kindern über den Wandel vom Winter zum Frühling zu sprechen.
Man kann gemeinsam überlegen:
- Was brauchen Vögel im Winter?
- Was brauchen sie im Frühling?
- Welche Tiere bauen eigentlich Nester?
- Und worin legen wir Menschen denn unsere kleinen Babys?
Du glaubst gar nicht, wieviel Spaß es macht, mit Kindern über solche Themen zu plaudern. Natürlich darf auch immer eine große Portion Spaß dabei sein! Neulich landeten wir beim Gespräch über Nistmaterial beim kreativen Einrichten und wie wohl die Meisen nur mit dem Schnabel ihre Wohnung streichen und die Möbel zurecht stellen, damit alles fertig ist, wenn der kleine Nachwuchs aus den Eiern schlüpft.
Auf diese Weise wird die Neugier geweckt und ganz selbstverständlich entsteht eine kleine „Nistmaterial-Station“ im Kindergarten-Garten – gefüllt mit Wolle, etwas Moos oder Tierhaaren vom Bauernhof.
Und wer weiß? Vielleicht entdecken die Kinder im nächsten Jahr beim Reinigen eines Nistkastens ein Nest mit bunten Wollfäden – und erinnern sich daran, dass sie selbst mitgeholfen haben.



